Nachhaltige Eindrücke von einer Reise mit Manfred Seebauer nach Indien
Der indische Bundesstaat Himachal Pradesh war das Ziel unserer Reise. Die Teilnehmer der Exkursion lernten nicht nur die Projekte der hier seit gut drei Jahrzehnten wirksamen deutsch - indischen Zusammenarbeit im Forst- und Landwirtschaftsbereich kennen, sondern auch die Vielfalt dieser Region des westlichen Himalaya.
Kulturelles
Die Besichtigung der großen Städte Delhi mit seinen sieben Stadtgründungen seit 1100 n.Chr., Amritsar mit dem Goldenen Tempel, Agra und vieler kleiner Dorfgemeinschaften gab einen guten Überblick über die Lebensweise der indischen Bevölkerung. Die Entwicklung des islamischen Grabbaus, vom Grab des Ghiyasud-din um 1310 bei Delhi bis zum Taj Mahal in Agra von 1643 vergegenwärtigte die Hochkultur vergangener Dynastien und die Armut der einfachen Bevölkerung heute, wo Millionen in Slums oder auf der Straße leben.
Menschliches
Trotz dieser Armut der Bevölkerung war man aber anders als z.B. in den USA hier sicher vor Übergriffen. Außer geschäftstüchtigen Händlern, emsigen Rikscha-Fahrern und anhänglichen Bittstellern brauchten die Exkursionsteilnehmer nichts zu fürchten, und man konnte ohne weiteres auch allein auf Entdeckungsreise gehen.
Religiöses
Ein Grund für die Friedfertigkeit der Inder mag in der Religion des Hinduismus begründet sein, wo die Tötung von Tieren wegen der Wiedergeburt problematisch ist. Altersheime für Kühe und die große Toleranz gegenüber den Affen, die in den Dörfern und in der Land- und Forstwirtschaft große Schäden anrichten, sind zwei Beispiele dafür, mit welcher Konsequenz diese Vorgaben eingehalten werden. Bei den Besichtigungen der Tempel und Klöster bekamen wir überall zu spüren, daß man den Glauben des Anderen akzeptiert und ihn ohne zu missionieren an den eigenen Ritualen teilhaben läßt.
Zu einem der zahlreichen Höhepunkte der Reise wurde der von Manfred organisierte Empfang durch seine Heiligkeit, den XIV. DALAI LAMA in Dharamsala. Fast eine Stunde nahm sich der hier im Exil lebende tibetanische Herrscher Zeit, um Fragen der Teilnehmer zu diskutieren.
Erdgeschichtliches
Am längsten in der Erinnerung der Teilnehmer wird aber der Himalaya bleiben. Hautnah erlebten sie, daß dieses höchste Gebirge der Welt, das infolge des Aufeinanderdriftens der Indischen auf die Asiatische Platte nach wie vor kontinuierlich wächst, noch lange nicht zur Ruhe gekommen ist. Gigantische Gesteinsformationen, skurrile Erdfaltungen und wilde Stromläufe demonstrierten all-gegenwärtig die Urgewalten der Natur.
Abenteuerliches
Die Reiseleitung ließ denn auch nichts aus, um diese Fahrt so eindrucksvoll wie möglich zu gestalten. Von der Geschicklichkeit eines KFZ-Monteurs, der mit einfachsten Mitteln auf der Straße vor dem Hotel das Bremssystem des Exkursionsbusses reparierte, über die vom Recht des Stärkeren, aber auch vom freiwilligen Nachgeben des Schwächeren geprägte, indische Fahrweise, bis hin zu abenteuerlichen Fahrten über bis zu 4.551 m hohe, manchmal nicht einmal bushohe und -breite, wassergebundene Paßstraßen an schwindelerregenden Abhängen ohne Sicherung oder Verbauung war alles geboten. Daß den Teilnehmern infolge ungewöhnlicher Niederschläge (dieses Gebiet liegt im Regenschatten über 6.000 m hoher Berge mit Jahresniederschlag von 80 mm) durch Erdrutsche im Spiti Valley fast der Rückweg abgeschnitten wurde, war nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Den Bus, das Gepäck und den Reiseleiter auf dem Paß zurücklassend, mußten sich die Teilnehmer mit dem "Allernötigsten beladen" zu Fuß auf den Weg zur nächsten befestigten Straße machen.
Mit 9 Personen auf der Ladefläche eines Pick-ups erreichten sie durchgefroren und -geschüttelt aber heil spätabends das Hotel in Manali. Alle waren froh, am nächsten Tag den Reiseleiter mitsamt dem mit Mauleseln über die zerstörte Straße transportierten Gepäck begrüßen zu können. In Erinnerung bleiben werden daher vor allem das Organisationstalent des Reiseleiters MANFRED SEEBAUER sowie der von ihm ausgewählten indischen Fachleute und Reisebegleiter, von denen stellvertretend der Projektleiter R. K. GUPTA, der Direktor des Wildlife-Department, Sanjeev Pandey, und der Betreuer, NAVIN C. SARIN, genannt sein sollen.
B.-G. Encke